Unser Gasnetz wird grüner
Biomethan aus Stocking im Praxistest. Oder: Kann sich das Gasnetz zeitweise selbst mit erneuerbarer Energie versorgen?
Seit August letzten Jahres ist in Stocking eine Biomethan‑Einspeisung in Betrieb. Sie befindet sich aktuell in der ersten Ausbaustufe, liefert aber bereits spannende Erkenntnisse. In den ersten Monaten war im untersuchten Netzabschnitt noch ein gut sichtbarer Anteil an fossilem Erdgas vorhanden. Im Januar zeigte sich dann ein besonderes Bild:
Fast 95 % des verbrauchten Gases kamen direkt aus Biomethan. Der Netzabschnitt wurde damit zeitweise zu einer Art „grüner Insel“, die sich nahezu vollständig aus erneuerbarem Gas versorgte.
Sollte einmal der Fall eintreten, dass mehr Biomethan produziert wird als verbraucht, geht es natürlich nicht verloren. Dieses kann dann ins Hochdrucknetz eingespeist, weitertransportiert und sogar in Gasspeichern zwischengespeichert werden – zum Beispiel für eine spätere Nutzung im Winter. So bleibt das gesamte System flexibel.
Das Beispiel aus Stocking zeigt praxisnah, wie effizient ein Gasnetz „grün“ werden kann, wenn erneuerbare Einspeisung, Verbrauch und Netzflexibilität zusammenspielen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung im Gasnetz.
Die Vorteile im Überblick
- Sehr hoher grüner Eigenversorgungsgrad – im Jänner fast 95 %.
- Erneuerbares Gas wird genau dort genutzt, wo es verbraucht wird.
- Überschüsse können flexibel weitergeleitet oder gespeichert werden.
- Wertvolle Erfahrungen für zukünftige Biomethan‑Projekte.
Biomethan: Gut fürs Klima – gut für die Versorgung
Biomethan wird aus biologischen Abfällen und Reststoffen hergestellt, etwa aus:
- landwirtschaftlichen Reststoffen
- organischen Abfällen
- Wirtschaftsdünger
Studien zeigen, dass diese Stoffe ausreichen – Energiepflanzen oder Monokulturen sind dafür nicht notwendig. Auch auf europäischer Ebene (z. B. in der RED III‑Richtlinie) wird genau dieser Weg unterstützt.
Biomethan leistet gleich mehrfach einen Beitrag:
- Klimaschutz: Die Treibhausgasemissionen sind deutlich niedriger als bei fossilem Erdgas – oft um 70 % oder mehr.
- Versorgungssicherheit: Heimisches Biomethan reduziert Importabhängigkeiten.
- Wirtschaftlicher Nutzen: 1 TWh Biomethan ersetzt fossiles Erdgas im Gegenwert von rund 35–45 Mio. € Importkosten.
- Bestehende Infrastruktur bleibt nutzbar: Gasnetze und Speicher können weiterhin verwendet werden.